
200 Kilometer auf den Spuren der Schwabenkinder

Im April dieses Schuljahres 2025/26 besuchten die Schüler:innen der Klasse 3D gemeinsam mit KV Prof. Florian Kurz und Prof.in Astrid Aschaber Ravensburg zum Thema "Schwabenkinder".
Das Schicksal der Schwabenkinder ließ Alois Gstrein nicht mehr los, so fasste er einen ungewöhnlichen Entschluss: Er wollte den Weg der Schwabenkinder selbst erleben.
Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts machten sich jedes Frühjahr Kinder, vor allem aus dem Tiroler Oberland, auf den Weg nach Oberschwaben. Eine Recherche ergab, dass es auch fünf dokumentierte Fälle von Kindern aus Innsbruck gab, die den weiten Weg nach Ravensburg auf sich nehmen mussten, vermutlich waren es deutlich mehr. Auf dem Kindermarkt in Ravensburg boten sie ihre Arbeitskraft an und arbeiteten dort bis in den Herbst. Für viele bedeutete das einen Fußmarsch von bis zu 250 Kilometern – über schneebedeckte Pässe und mit oft unzureichendem Schuhwerk.
Bereits in der ersten Ferienwoche setzte Alois mit seinem Vater seinen Plan in die Tat um. In fünf Tagesetappen zwischen 33 und 56 Kilometern legte er insgesamt 197,7 Kilometer zurück und erreichte am 19. Juli sein Ziel in Ravensburg in Baden-Württemberg.
Fotos: Gstrein

Die Bedingungen unterwegs waren alles andere als einfach. Neben Temperaturen von bis zu 30 Grad musste er sich auch Hagel und Gewittern stellen. Die größte Herausforderung sei jedoch weniger die körperliche Anstrengung als vielmehr die mentale Belastung gewesen. Als aktiver Fußball- und Basketballspieler sei er zwar gut trainiert, doch auf langen Etappen komme es vor allem auf die richtige Einstellung an. „In fünf Kilometern sind es nur noch zehn Kilometer – und zehn Kilometer gehen immer“, beschreibt Alois seine Strategie, sich mit kleinen Zwischenzielen zu motivieren.
Besonders beeindruckt zeigte er sich von der Möglichkeit, die Landschaft bewusst und ohne Eile zu erleben. Flüsse, Berge und Moore nehme man zu Fuß ganz anders wahr als aus dem Auto heraus.
Neben den körperlichen Herausforderungen sorgten auch einige kuriose Begegnungen für Abwechslung. So wollte ein Kleinkind sein Territorium mit einem „Schwert“ aus einem Meterstab verteidigen. Doch noch bevor es Alois erreichen konnte, knickte der Meterstab beim Ausholen ein – woraufhin der kleine Kämpfer lieber das Weite suchte.
Mit seiner außergewöhnlichen Wanderung hat Alois nicht nur eine beachtliche sportliche Leistung vollbracht, sondern sich auch auf eindrucksvolle Weise mit einem bedeutenden Kapitel der Tiroler Geschichte auseinandergesetzt.

